Nicht nur in Europa, auch in Asien wächst die Gefahr, auf seinen Forderungen sitzenzubleiben. Gut jede dritte Rechnung wird dort erst mit Verspätung bezahlt. Mehr als 5% der Forderungen gegenüber Firmenkunden fallen ganz aus. Zwischen den einzelnen ­Ländern bestehen jedoch erhebliche Unterschiede in der Zahlungsmoral, wie eine Umfrage von Atradius unter 1.600 Unternehmen in der Region Asien-Pazifik ergab.

Von Dr. Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa, Atradius Kreditversicherung

Im Vergleich zum Vorjahr spüren Unternehmen in Asien einen signifikanten Anstieg der Forderungsausfälle. Mehr als 5% der offenen Forderungen gegenüber Geschäftskunden konnten nur noch als uneinbringlich abgeschrieben werden. Im Vorjahr waren es noch 3,6%. Dies sind Ergebnisse des aktuellen „Atradius Zahlungsmoralbarometers“, für das über 1.600 Unternehmen aus Australien, China, Hongkong, Indien, Indonesien, Japan, Singapur und Taiwan befragt wurden. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen gab im Rahmen der Studie an, ihre Handelsgeschäfte künftig besser gegen Kreditrisiken schützen zu wollen.

Im Studiendurchschnitt wurden in den befragten Ländern 30% des Gesamtwerts der Forderungen gegenüber inländischen und ausländischen Geschäftspartnern zu spät beglichen. In Hongkong verbuchten die Unternehmen mit rund 35% den höchsten Anteil an verspäteten Zahlungen. Die japanischen Unternehmen verzeichneten mit weniger als 20% die geringsten Zahlungsverzögerungen.

Mehr als 10% der ausstehenden Rechnungen blieben auch drei Monate nach dem Fälligkeitsdatum unbezahlt, und über 5% konnten nur noch als Totalausfall verbucht werden. Besonders betroffen von Zahlungsausfällen waren die befragten Firmen in Indien und Singapur, wo 7% der Forderungen abgeschrieben werden mussten, während japanische Firmen mit 2% die wenigsten Ausfälle verbuchten. Die Differenz zwischen dem durchschnittlich beobachteten Zahlungsziel von 32 Tagen im Asien-Pazifik-Raum und der tatsächlichen, durchschnittlichen Forderungslaufzeit von 44 Tagen in der Region verdeutlicht den hohen Anteil an verspäteten Forderungen.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stiegen die Zahlungsverzögerungen im Inland aufgrund von Liquiditätsengpässen im Durchschnitt von 47,7% auf 53,5% an. Die meisten Probleme mit überfälligen Rechnungen von inländischen Geschäftspartnern verzeichneten die befragten Unternehmen aus Indonesien mit 70% an überfälligen Rechnungen. Als Grund für verspätete Zahlungen von ausländischen Kunden nannte rund die Hälfte der Befragten das komplexe Zahlungsverfahren bzw. die Ineffizienz des heimischen Bankensystems. Um Zahlungsverzögerungen und Zahlungsausfälle zu reduzieren, will mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (53%) künftig verstärkt die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden überprüfen. Dies gilt insbesondere für Singapur (68%) und China (64,5%).

Andreas Tesch, Chief Market Officer von Atradius, kommentiert die Ergebnisse: „Wir gehen davon aus, dass die Exporte der Asien-Pazifik-Region in diesem Jahr lediglich um 3,4% zunehmen werden. Sieht man sich die Vorjahreszahlen an, entspricht dies einem Rückgang der Wachstumsrate um mehr als die Hälfte. Während wir in den USA mit um 5% sinkenden Unternehmensinsolvenzen rechnen, prognostizieren wir für die weiteren führenden Exportländer im asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum, darunter China, Japan und Hongkong, eine Stabilisierung.

Durch die weiterhin bestehende Unsicherheit in der Europäischen Union (EU) werden die Aussichten auf ein Exportwachstum hier gebremst. Die Insolvenzzahlen stabilisieren sich in den meisten Märkten in der EU auf dem bestehenden hohen Niveau. Ferner wird das Wirtschaftswachstum in China 2012 voraussichtlich auf 7,7% zurückgehen und 2013 auf 8,1% zulegen. Die Zahlen spiegeln sowohl den Rückgang der Lieferungen an westliche Kunden als auch eine potentielle Abkühlung der Binnennachfrage wider.“

„Aus Sicht der befragten Unternehmen haben die Handelsrisiken 2012 im Durchschnitt zugenommen. Weltweit gesehen, hat der Anteil an überfälligen Forderungen und Zahlungsausfällen um 25% zugenommen, und das Umfeld bleibt unsicher. Das Risikomanagement zur Sicherung von Liquidität und finanzieller Stabilität wird daher für die Unternehmen sehr wichtig sein. Unser Ziel ist es, den Unternehmen die nötige Sicherheit für ihr profitables Wachstum zu geben“, so Tesch abschließend.

Die gesamten Ergebnisse der Studie „Zahlungsmoralbarometer Asien-Pazifik 2012” stehen in englischer Sprache auf der Website www.atradius.de im Bereich Publikationen kostenlos zum Download bereit.

Kontakt: thomas.langen[at]atradius.com

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