In seinem vierteljährlichen Risikobarometer hat der Kreditversicherer Coface die Einschätzung für 19 überwiegend europäische Länder herabgestuft. Darüber hinaus wurden weltweit insgesamt 76 Branchen abgewertet. Auch Deutschland leidet unter der aktuellen Gemengelage und rutscht von A2 zurück in A3. Doch es gibt auch Aufsteiger.

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Das Grün auf der Risikoweltkarte verblasst, immer häufiger dominieren gelbe und rote Akzente und spiegeln den erneuten globalen wirtschaftlichen Abschwung wider. In seiner neuesten Einschätzung meldet Coface insgesamt 19 Abwärtsrevisionen des Länderrisikos – darunter osteuropäische Länder wie Tschechien, Ungarn, Lettland, Litauen, Polen und die Slowakei, die allesamt von Risikoklasse A3 in A4 rutschen.

Bei diesen Ländern sind die EU-Sanktionen gegen Russland und die Rezession in der Russischen Föderation ausschlaggebend. Denn für die meisten ist Russland ein Haupthandelspartner, und gerade im Energiebereich ist die Abhängigkeit enorm. In Polen und Ungarn spielt auch der starke Anstieg der Zinsen eine wichtige Rolle, da die dortigen Zentralbanken früher und stärker als die EZB auf die hohe Inflation reagiert haben. Das Länderrisiko spiegelt die Wahrscheinlichkeit von erhöhten Zahlungsausfällen bei Exportkrediten in einem Land in den kommenden sechs Monaten wider.

Teuerungsraten als „Risikotreiber“

In Süd- und Westeuropa spielt die hohe Inflation die Hauptrolle für die Abwertung, dort hat Coface Deutschland, Österreich, Frankreich, Portugal und Spanien von A2 („niedriges Ausfallrisiko“) herabgestuft in A3 („zufriedenstellendes Risiko“). Die Teuerungsraten führen zu einer verringerten Kaufkraft der Konsumenten, zu einem Rückgang des privaten Konsums und zu finanziellen Problemen für Unternehmen, die gestiegene Produktionskosten nicht so schnell weitergeben können.

Zudem belasten anhaltende Lieferkettenprobleme die Wirtschaft und der Außenhandel geht deutlich zurück, da viele Länder zwar wenig direkt mit Russland, Belarus oder der Ukraine handeln – dafür aber umso mehr mit Osteuropa, das seinerseits besonders stark vom Ukraine-Krieg belastet ist. Auch Kasachstan und Usbekistan (jetzt Risikoklasse C „hohes Risiko“) sind von der russischen Wirtschaft abhängig. Zudem gelangen große Teile der kasachischen Energieexporte über Russland nach Europa. Diese müssen sanktionsbedingt nun zum Teil umgelenkt werden. Das ostafrikanische Binnenland Ruanda hat sich ebenfalls um eine Stufe von A4 auf B („ziemlich hohes Risiko“) verschlechtert.

Länderrisikokarte

© Coface

Gegen den Trend wurden die Risikoeinschätzungen von Brasilien (jetzt in B) und Angola (neu in C) verbessert. Brasiliens Wirtschaft hat sich im Frühjahr dieses Jahres überraschend resilient gezeigt. Das Land profitiert als Rohstoffexporteur besonders von stark gestiegenen Rohstoffpreisen, die hohen Devisenreserven deuten auf ein geringes Risiko für hohe Auslandsverschuldung hin. Auch die gesamtstaatliche Verschuldung hat sich leicht verbessert. Angola wiederum profitiert von seinen Ölexporten und der starken Nachfrage. Zudem hat sich die öffentliche Verschuldung in dem zentralafrikanischen Land verbessert.

Deutschland fällt zurück in A3

Das Länderrisiko für die Bundesrepublik wurde von A2 auf A3 herabgestuft. Das entspricht der Bewertung, die die Bundesrepublik auch während der ersten eineinhalb Pandemiejahre innehatte. Während zu dieser Zeit v.a. die Lockdown-Maßnahmen und fehlende Perspektiven für Unternehmensinvestitionen Sorge bereiteten, ist es jetzt eine größere Gemengelage aus sehr hohen Energie- und Rohstoffkosten, die die Profitabilität von Unternehmen auf die Probe stellt. Sollten die Firmen nicht schnell genug die hohen Kosten an die Kunden weitergeben, wird es hier eng. Die Kunden und Konsumenten müssen hingegen deutlich mehr zahlen und fordern höhere Löhne, die ebenfalls die Unternehmen belasten.

Hinzu kommt, dass die Zuverlässigkeit Chinas als Zulieferland abnimmt und Lieferketten immer wieder unterbrochen werden. Deutschland ist als Exportnation zudem von der geringeren Nachfrage aus West- und Osteuropa betroffen. Hier spielen auch steigende Zinsen eine Rolle, die die Finanzierung vieler Unternehmen und Konsumenten belasten.

Neben Länderrisiken hat Coface auch die Bewertung für 13 Branchen in insgesamt 28 Ländern erneuert. Dabei kam es insgesamt zu 76 Abwertungen, denen neun verbesserte Einschätzungen gegenüberstehen. Besonders energieintensive Branchen wie Chemie, Transport und Metall sind von den hohen Rohstoffpreisen betroffen. Hinzu kommt die Knappheit von Baumaterial, die weltweit die Baubranche belastet. Schaut man nach Westeuropa, so wurde dort fast die Hälfte aller Branchen abgewertet.

Konsumenten tendieren zum Sparen

Neben den bereits genannten Branchen gilt dies auch für den Einzelhandel und für Agrar und Nahrungsmittel. In beiden Fällen spielt die gesunkene Kaufkraft eine Rolle: Durch die starke Inflation tendieren die Konsumenten stärker zum Sparen bzw. können sich die bisherigen Güter einfach nicht mehr leisten. Auch Supermärkte bekommen das nun zu spüren. Darüber hinaus haben die Kosten in der Landwirtschaft aufgrund gestiegener Düngemittelpreise deutlich zugelegt. Die wenigen Aufwertungen finden vor allem im Nahen und Mittleren Osten statt – einer Region, die von ihren Ölreserven in der aktuellen Situation stark profitiert. Auch die Energiebranchen in Nordamerika und Brasilien gehören zu den aktuellen Gewinnern.

Das Coface-Barometer mit sämtlichen Auf- und Abwertungen gibt es HIER zum Download. Die Länderrisikokarte steht HIER zum Download zur Verfügung.

christiane.von-berg@coface.com

www.coface.com

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