Mit dem Forum Global Business & Markets bietet die Hannover Messe eine zentrale Plattform für die Außenwirtschaft an. Ziel ist es, insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen aus erster Hand über aktuelle Entwicklungen in Auslands­märkten zu informieren und sie bei der Anbahnung neuer Partnerschaften für konkrete Geschäftsprojekte zu unterstützen. ­Aussteller kamen in diesem Jahr unter anderem aus den USA, China, Russland, Südamerika und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Von Karin Gangl, Leiterin Marketing, F.A.Z.-Institut

In der Eröffnungsveranstaltung des Forums am 23. April 2012 verwies Dr. Wolfram v. Fritsch, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Messe AG, auf das ungeheure Bevölkerungswachstum und die sich dadurch ergebenden Chancen und Herausforderungen insbesondere in den Ballungsräumen. In jeder Sekunde wachse die Weltbevölkerung um zweieinhalb Menschen. Umso mehr sei es für deutsche Unternehmen geboten, den Blick ins Ausland zu richten. Mit nachhaltigen Produkten und Lösungen könne Deutschland seine Spitzenposition auf internationalen Märkten festigen. Unter dem Motto „Green Intelligence“ waren Klimaschutz, Umwelt und Nachhaltigkeit deshalb Leitthemen der Hannover Messe 2012.

Connie Hedegaard, EU-Kommissarin für Klimapolitik, führte die Herausforderungen durch den Bevölkerungsanstieg weiter aus. Bereits 2030 sei ein Anstieg der Nachfrage nach Energie um 45%, nach Nahrung um 50% und nach Wasser um 30% zu erwarten. Insofern sei es unumgänglich, wirtschaftliches Wachstum künftig unter anderen Voraussetzungen zu generieren. Wettbewerbsfähig bleibe nur, wem es gelänge, mit weniger Input, d.h. mit größerer Ressourcen- und Energieeffizienz, mehr Output zu generieren.

Die Nachfrage nach entsprechenden Technologien auch für erneuerbare Energien, im Abfallrecycling und weiteren Umweltschutztechnologien, steige weiter an. Die Konkurrenz auf den Weltmärkten, insbesondere aus China, sei aber ebenfalls groß. Da Europa mit hohen Produktionskosten arbeite, seien vor allem die Qualität und die Geschwindigkeit der Innovationen entscheidend für den Markterfolg. Europäische Regulierungen seien in diesem Zusammenhang nicht hinderlich, sondern führten oft dazu, Innovationsprozesse zu beschleunigen.

Die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland gebe nach wie vor Anlass zu Optimismus, sagte Dr. Markus Kerber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Als Spitzenorganisation der deutschen Industrie und der industrienahen Dienstleister zählt der BDI gemeinsam mit dem Land Niedersachsen zu den Mitveranstaltern des Forums Global Business & Markets.

Trotz dämpfender Effekte durch die europäische Schuldenkrise erwartet Deutschland für 2012 einen weiteren Anstieg seiner Exporte, aber auch der Importe. Das deutsche Wirtschaftsmodell und dessen Weltmarktorientierung werde überall auf der Welt als Referenzmodell für erfolgreiches Wirtschaften angesehen. Die Ausfuhr von Produkten „made in Germany“ mache immer noch die Hälfte des deutschen Bruttosozialprodukts aus. Ein Viertel aller Arbeitsplätze in Deutschland hänge von dieser weltwirtschaftlichen Verflechtung ab.

Aus diesem Grund müsse der Erhalt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit eines der zentralen Handlungsfelder der Industrie wie auch der Politik sein, denn nicht nur die Stabilität der deutschen Wirtschaft, sondern auch die vieler Nachbarstaaten und befreundeter Regionen sei davon abhängig. Dies beinhalte auch die Förderung des Freihandels und die Abwehr von Protektionismus.

Es gelte, traditionelle Partnerschaften zu pflegen und auszubauen. Dazu zähle insbesondere auch die Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Als größte Volkswirtschaft der Welt seien die USA außerhalb der EU der mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner der deutschen Industrie. Aber auch China, das diesjährige Partnerland der Hannover Messe, das sich vorbildlich von einem Entwicklungsland zu einem zentralen Wachstumsmotor der Welt entwickelt habe, sei ein wichtiger Partner und Impulsgeber.

Kerber kritisierte, dass EU-Regulierungen wie beispielsweise die Roadmaps für Energie und Transportwesen, Energieffizienz und Low Carbon Economy häufig nicht genügend aufeinander abgestimmt seien und deshalb einen hohen administrativen Aufwand für die Unternehmen darstellten. Der BDI setze sich daher dafür ein, das Instrument des ETS (Emission Trading Systems) als Leitinstrument zur Wahrung der klima- und energiepolitischen Ziele beizubehalten.

Für das Land Niedersachsen verwies Jörg Bode, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, auf die hohe Bedeutung von Marktinformationen und Netzwerken für den internationalen Erfolg. Nicht nur große niedersächsische Unternehmen wie Volkswagen, Continental und TUI, sondern auch eine Vielzahl kleiner und mittelständischer Unternehmen habe sich in ihren jeweiligen Nischen als Marktführer durchgesetzt.

Im Anschluss an die Eröffnungsveranstaltung widmete sich das Forum „North American Export Initiatives: Advanced Manufacturing“ in Zusammenarbeit mit der American Chamber of Commerce in Germany (AmCham) und dem U.S. Commercial Service Markteintritts- und Kooperationsmöglichkeiten auf dem US-amerikanischen Markt.

US-Botschafter Philip D. Murphy verwies auf die hohe Bedeutung der Industrie für die weltweite Beschäftigung. Jeder Arbeitsplatz im produzierenden Gewerbe unterstütze weitere Arbeitsplätze in anderen Sektoren, wie Forschung, branchenspezifischer Rechtsberatung, Transport, Wartung und Instandhaltung. Kürzere Produktlebenszyklen verlangten Just-in-Time-Lieferungen, und der erhöhte internationale Wettbewerb fordere schnellere, effektivere und effizientere Innovationen. Für diese sei eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Politik und Wissenschaft erforderlich. Aus diesem Grund habe Präsident Obama die Initiative „Advanced Manufacturing Partnership“ ins Leben gerufen, die Industrie, Forschung und Politik zusammenbringe, um neue Technologien voranzutreiben.

Fred B. Irwin, Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham Germany), stellte die besondere Bedeutung der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen heraus. Er unterstrich die Gemeinsamkeiten beider Länder in Bezug auf Werte, Prioritäten, aber auch Herausforderungen.

Zurzeit seien 2.000 Unternehmen mit US-Kapital in Deutschland, die 800.000 Deutsche direkt und 1,3 Millionen Deutsche indirekt beschäftigten. In den Vereinigten Staaten beschäftigten umgekehrt 3.000 deutsche Unternehmen über 1 Million Amerikaner direkt und 2,4 Millionen indirekt. Dies sei das stärkste bilaterale Investment weltweit. Der Handel zwischen beiden Staaten belaufe sich auf 500 Mio USD pro Tag, was einem Anteil von 50% des Handels zwischen der EU und den USA entspreche. Direktinvestitionen wie die von ThyssenKrupp in Alabama oder Siemens mit mehr als 65.000 Angestellten in den USA unterstützten die erfolgreichen Handelsbeziehungen. Für US-Investitionen am Standort Deutschland spräche umgekehrt unter anderem die hervorragende Infrastruktur.

Matthias Schoenberg, Head of Business Unit Fluid Technology der ContiTech Techno-Chemie GmbH, wies darauf hin, dass die Arbeitskosten auch in aufstrebenden Märkten wie China ständig anstiegen, so dass der komparative Vorteil einer Produktionsverlagerung in diese Länder entfiele. In den USA seien neben einem großen Absatzmarkt auch stabile Infrastrukturbedingungen vorhanden. Verglichen beispielsweise mit Mexiko seien zudem die Energiekosten geringer, und Transportkosten könnten eingespart werden. Entscheidend für den Markterfolg seien jedoch Global Mind Sets und die richtige Marketingstrategie.

Textkasten: Veranstaltungshinweis

6. Transatlantische Jahreswirtschaftskonferenz

Veranstalter: American Chamber of Commerce in Germany e.V. und F.A.Z.-Institut

14./15. November 2012, Frankfurt am Main

www.transatlantikkonferenz.de

Kontakt: k.gangl[at]faz-institut.de

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